Estrichsanierung

Besserer Trittschallschutz im Wohnungsbau durch einfache Sanierung

 

Der Schallschutz im Geschosswohnungsbau entspricht häufig nicht den Erwartungen der Bewohner. Es werden Lärmbelästigungen durch Sprache, Musik, Installationsgeräusche und Gehgeräusche (Trittschall) bemängelt. Durch die DIN 4109 werden Mindestwerte für den baulichen Trittschallschutz baurechtlich gefordert. Mieter fordern häufig dieses Recht ein und machen Mietminderungen geltend. Mittels eines normierten Verfahrens mit einer Vergleichsschallquelle wird dann geprüft, ob die Klagen berechtigt sind. Hierbei zeigt sich häufig, dass die Mindestwerte der DIN 4109 nicht eingehalten werden, wenngleich die verwendeten Bodenkonstruktionen auch für einen erhöhten Schallschutz geeignet sein müssten. Der Grund für den mangelhaften Trittschallschutz sind Körperschallbrücken (z.B. durch Mörtel), welche eine Schalleinleitung von der Estrichplatte zu den angrenzenden Baukonstruktionen ermöglichen. Die Schuld wird dann häufig beim Handwerker gesucht. Die gestiegenen Anforderungen an das Bauwerk haben zu komplizierteren Baukonstruktionen geführt, welche einen hohen Qualitätsstandard bei der Ausführung erforderlich machen. Dadurch, dass ein Bauwerk aus vielen Einzelgewerken besteht, ist ein hoher Planungsaufwand bezüglich Details erforderlich, welcher aus Einsparungsgründen häufig unterlassen wird.

 

Ist der Baumangel erst einmal hergestellt, so ist eine Sanierung äußerst aufwendig und teuer, wenn der Austausch der Bodenkonstruktion erforderlich ist und die Bewohner für den Zeitraum der Bauarbeiten umziehen müssen. Durch diesen Aufwand sowie den Aus- und Einbau der Bodenkonstruktion einschließlich des eventuell sehr teuren Bodenbelages und weiterer Renovierungsmaßnahmen in der Wohnung, welche wegen Beschädigungen durch die Bauarbeiten erforderlich werden, werden hohe Kosten und viel Ärger verursacht. Für die Gesamtmaßnahme muss pro Wohnung ein Zeitraum von etwa 2 Monaten in Ansatz gebracht werden.

 

Der Aufwand kann durch ein alternatives Sanierungsverfahren erheblich gemindert werden. Häufig sind nur wenige kleinflächige Körperschallbrücken für den schlechten Trittschallschutz verantwortlich. Durch das alternative Verfahren können diese Stellen gezielt aufgesucht und beseitigt werden. Oftmals erübrigt sich ein Öffnen der Bodenkonstruktion in diesen Bereichen, indem durch mechanische Einwirkungen von aussen die Körperschallbrücke gelöst werden kann. In der größten Zahl der Fälle bleibt sogar der Bodenbelag unbeschädigt und es tritt nahezu keine Staubentwicklung auf. Da das Auffinden und Beseitigen der Körperschallbrücken in wenigen Stunden erfolgen kann und raumweise vorgegangen wird, können die übrigen Räume der Wohnung während der Arbeiten weiter genutzt werden, was für die Sanierung bewohnter Objekte besonders vorteilhaft ist. Die Verbesserung des Trittschallschutzes liegt typischerweise bei 12 dB, so dass häufig auch ein erhöhter Schallschutz erreicht wird. Die Kosten betragen typischerweise nur 20% von den Kosten, welche bei der Totalerneuerung anfallen.

 

Ablauf des Verfahrens

  1. Messung und Bewertung des vorhandenen Trittschallschutzes.
  2. Suche nach Körperschallbrücken, wenn Lnw > 53 dB *)  (in Wohnungen)  ist.
  3. Kennzeichnung schadhafter Bodenbereiche.
  4. Dynamische Behandlung der schadhaften Bodenbereiche; evtl. Öffnung schadhafter Bodenbereiche mit sehr massiven Körperschallbrücken.
  5. Messung der Trittschallverbesserungen (Erfolgskontrolle).
  6. Messung und Bewertung des vorhandenen Trittschallschutzes nach erfolgreicher Sanierung (Abnahmemessung).
  7. Prüfberichterstattung (nach dem Ortstermin).

  *) Es können auch andere Grenzwerte vereinbart werden.

 

Erforderliche Bedingungen beim Ortstermin

  • Der Auftraggeber organisiert die Zugänglichkeit der Wohnungen - (Sanierungswohnungen) und Räume bzw. Wohnungen unter den Bodenkonstruktionen (Messwohnungen). Möbel müssen von den Randfugen der Estriche abgerückt werden können; bei schwierigen Verhältnissen, z.B. Einbauschränken oder großen Schränken, kann im Einzelfall geprüft werden, ob der Umbau und eine Nachbehandlung erforderlich wird. Die evtl. Umbaukosten werden vom Auftraggeber übernommen.
  • Bereitstellung eines Handwerkers mit Hammer und Meißel bzw. Elektromeissel für massivere Brücken durch den Auftraggeber.
  • Es müssen schwimmende Estriche mit geeigneten Trittschalldämmstoffen vorliegen; Verbundestriche o.ä. sind nicht geeignet.
  • Für die überschlägliche Planung des Baufortschritts kann davon ausgegangen werden, dass von einer Arbeitsgruppe etwa 0,5 Räume je Stunde behandelt werden können. i.d.R.. können von einer Arbeitsgruppe bis zu 6 schadhafte Räume an einem Arbeitstag behandelt werden.

 

Allgemeine Bedingungen

  • Die Böden bzw. Beläge bleiben weitgehend unbeschädigt; Risiken bestehen bei schlecht verklebten Steinplatten und sehr festen Körperschallbrücken, z.B. mit direkter Lagerung auf der Rohdecke. Ausbesserungs- und Erneuerungsarbeiten von Estrich und Belag in diesen gekennzeichneten Bereichen müssen durch einen Handwerker durchgeführt werden; die Kosten übernimmt der Auftraggeber.
  • Der Mindestschallschutz nach DIN 4109 von Lnw < 53 dB gilt als Vertragserfüllung, bessere Werte werden nicht gesondert berechnet; Räume mit schlechteren Werten werden als unbehandelt betrachtet.
  • Der messtechnische Nachweis erfolgt bei eindeutigen Werten (Lnw < 50 dB) mittels Kurzmessverfahren, bei knappen Werten als Prüfung nach DIN EN ISO 16283-2 und DIN EN ISO 717-2.